Ein stiller Anfang! Anfänge sollten leise geschehen.
Der Mann dachte daran.
Er musste eine Reservierung für den Cinema Club machen.
Danach wollte er duschen und den schwarzen Anzug anprobieren, den er für den Abend ausgesucht hatte.
Aber er schob alles beiseite.
Plötzlich sprang der Mann auf und ging in die Küche.
Er warf die Käsepastete, die er von zu Hause mitgebracht hatte und die noch immer nach seiner Mutter roch, in die Mikrowelle.
Als das Signal ertönte, schnappte er sich das Gebäck. Zusammen mit einem Beuteltee aß er es hastig direkt in der Küche.
Vor drei Jahren
Jelena, die er vor drei Jahren kennengelernt hatte, schlief noch.
Deshalb lag eine stille Atmosphäre im Haus.
Sollte er ihr auch etwas zu essen machen?
Doch er konnte nicht einschätzen, wann sie aufwachen würde.
Denn die Essgewohnheiten der Serben waren anders.
Nachts oder morgens aßen sie kaum etwas.
Und wenn doch, wurden sie schräg angeschaut.
Letzte Nacht
Er erinnerte sich an letzte Nacht.
Gegen 2:30 Uhr hatten sie den Mr. Stefan Braun Club verlassen.
Er hatte ein Taxi gerufen und wartete darauf, dass Jelena die Preisverhandlung mit dem Fahrer beendete.
Dem Mann war es egal, ob ein paar Dinar mehr oder weniger gezahlt würden.
Aber das hier war Belgrad. Man mischte sich nicht zwischen zwei Serben.
Außerdem hatte ein bisschen Feilschen seinen eigenen Reiz…
Bis die Stimmen lauter wurden.
Der Fahrer wurde wütend.
Ein stiller Anfang war dem Mann wichtig.
Deshalb fasste er Jelena sanft am Handgelenk und zog sie aus der Auseinandersetzung heraus.
Gemeinsam gingen sie auf die Pizzeria gegenüber zu.
„Wollen wir etwas essen?“ fragte er.
Jelenas Augen wurden groß.
Sie schüttelte heftig den Kopf.
Der Mann wollte nicht allein Pizza essen.
Er war einfach zu müde.
Inmitten des Geschreis der Taxifahrer vor dem Club winkte er ein anderes Taxi heran.
Dieses Mal gab es keine Verhandlung.
Das Taxi durchbrach die nächtliche Stille mit rasanter Geschwindigkeit.
Im Wagen schmiegte sich Jelena in ihrem dünnen Kleid eng an ihn.
Der Mann sagte, sie sollten zur Knez-Mihailova-Straße fahren.
Er wollte sein Handy überprüfen, entschied sich dann aber dagegen.
Diese Nacht war die Stille wichtiger.
Als sie ausstiegen, übergab er dem Fahrer einen Stapel Dinar und verzichtete auf das Wechselgeld.
Die dicken Bündel, die wie ein kleines Vermögen wirkten, reichten in dieser Stadt gerade einmal für zehn Kilometer in einem Luxus-Mercedes-Taxi.
Die Straße war kalt.
Jelena schmiegte sich so nah an ihn, als wollte sie in sein Hemd schlüpfen.
Jetzt
Jetzt, am frühen Morgen in der Küche, nahm der Mann einen Schluck Tee.
In diesem Moment öffnete sich die Tür.
Jelena, nur in ein Handtuch gehüllt, huschte schnell ins Bad.
Der Mann lächelte erneut.
Als er den letzten Schluck Tee getrunken hatte, stand er auf.
Er wärmte sich ein weiteres Stück Börek auf.
Dann setzte er Wasser für Kaffee auf.
Aus dem Badezimmer hörte er das Brummen des Haartrockners.
Er warf einen Blick auf sein Handy.
Nichts.
Er prüfte den Akku.
Die Internetverbindung…
Alles war normal.
Doch das nagende Gefühl in seinem Inneren war immer noch da.
In dieser Stadt blieb selten etwas „normal“.
Deshalb musste der Mann seine Angelegenheiten in Belgrad möglichst fehlerfrei erledigen –
und alles mit einem stillen Anfang beginnen.
